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TTIP-Abkommen

Immer mehr Menschen wollen Produkte aus ihrer Region und das aus gutem Grund: Kurze, schnelle Transportwege schonen die Umwelt und die Ware bleibt frisch. Einleuchtende Argumente für regionale Lebensmittel… In Europa hat sich eine verwirrende Vielfalt von Siegeln herausgebildet, bei der kaum noch jemand weiß, was sie im Einzelnen aussagen… Dazu kommt der Handel: Supermärkte und Discounter haben eigene Marken mit Regionalbezug. Welche Regeln dabei gelten, bestimmen die Firmen selbst. Immerhin: Manches ist gesetzlich geregelt, vieles aber nicht.

Falls US-amerikanische Unterhändler das beim geplanten Freihandelsabkommen nicht mitmachen wollen – verständlich wäre es. Verbraucherschutzportale wie Lebensmittelklarheit.de nehmen regelmäßig Stellung zu Zweifelsfragen, oft garniert mit kritischen Anmerkungen zur Sinnhaftigkeit der gesetzlichen Regelung. Denn die Erwartung des Verbrauchers, dass ein Lebensmittel wirklich komplett aus der Region kommt, wird nur selten erfüllt.

Das ist kein Zufall, denn die Welt ist kompliziert geworden. Moderne Menschen mögen es auch bequem und deshalb werden Zutaten vorgekocht und vorgemischt: Kartoffeln aus Deutschland, Fleisch aus Argentinien, Gemüse aus Holland, Pfeffer aus Indien und Salz aus Portugal ergeben ein Gericht, das nur noch mit Mühe als Genuss aus der Heimat verkauft werden kann, zumal die Herkunft von Geschmacksverstärkern und Aromen sowieso im Unklaren bleibt. Trotzdem: Viele Menschen wollen wissen, woher ihr Essen kommt und sie bevorzugen die Nähe. Und natürlich sind kurze Transportwege umweltverträglicher als lange. Das sind gute Gründe, an Siegeln und Marken mit Regionalbezug festzuhalten.

Nur: Ehrlich müssen sie sein. Es muss klar und schnell zu erkennen sein, welche Eigenschaft und welche Herkunft zugesichert wird und welche nicht – bei staatlich vergebenen Siegeln genauso wie bei privaten Regionalmarken. Wenn Europa sein Siegelwirrwarr entsprechend reformiert, dann haben unsere Unterhändler auch bei den Freihandelsgesprächen bessere Karten.

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