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Amerika ist nicht das “Land of Opportunity”

Die OECD räumt in einer brisanten Studie mit einem alten Märchen auf: Dass man sich in den USA mit harter Arbeit stets aus dem letzten sozialen Loch in den Boni-Himmel hochschuften kann.

Die soziale Mobilität zwischen den Generationen, so der Bericht “A Family Affair: Intergenerational Social Mobility across OECD Countries“, ist in den USA dramatisch geringer als in den meisten europäischen Ländern.

Man höre und staune ! Das in amerikanischen Augen so verharzte, kaputt-bürokratisierte, sozialisierte und von jeglicher Aufstiegsvitalität gereinigte “Old Europe” steht plötzlich gar nicht so schlecht da.

Zwischen Los Angeles, Seattle, Houston und Boston sind dagegen die Sprossen auf der sozialen Leiter ziemlich morsch.

Warum das so ist, kann man dem sehr informativen Bericht – der den USA einiges zu grübeln geben sollte – auch gleich entnehmen: Die beiden wichtigsten Gründe sind das Bildungssystem und – in meinen Augen noch gravierender – die Ungleichverteilung der Einkommen.

Die Harvard-Professorin Elizabeth Warren – neben vielen anderen – beklagt schon lange die Eliminierung des US-Mittelstandes, der zwischen einer wachsenden Armuts-Schicht und der Bonus-Elite regelrecht zermalmt wird. 

Hier ein Zitat aus dem Bericht, der in der Huffington Post zu der OECD-Studie zu lesen ist. So klingt das, wenn man in Amerika aus der zur Selbsttäuschung verleitenden Dauer-Siegerpose schlüpft und sich ehrlich mit der Realität auseinandersetzt:

“That confirms findings by other researchers. “The way I usually put this is that when the rungs of the ladder are far apart, it becomes more difficult to climb the ladder,” Brookings Institution economist Isabel Sawhill tells HuffPost. “Given that we have more inequality in the U.S. right now than at any time since the 1920s, we should be concerned that this may become a vicious cycle. Inequality in one generation may mean less opportunity for the next generation to get ahead and thus still more inequality in the future.”

Wer aus dem Sumpf der ausgezehrten und vernachlässigten – und im beinharten Darwin-Kapitalismus aufgeriebenen – Masse in den USA kommt, kann sich – ohne die begrenzt verfügbaren Stipendien kaum den Weg nach oben bahnen. Auch wenn die Märchenstunden im Wall Street-Fernsehen stets anderes nahelegen.

Die USA landen in diesem vernichtenden Vergleich deutlich hinter Dänemark, Australien, Norwegen, Finnland, Kanada, Schweden, Deutschland und Spanien, wenn es darum geht, wie frei und ungehindert ihre Bürger die soziale Leiter rauf – oder runter – klettern können.

Demnach werden zum Beispiel in den USA 47% der ökonomischen Vorteile, die ein gut verdienender Vater hat (wenn er denn zuhause ist, wie selten in den schwarzen Familien) aber auch 47% der Nachteile, die ein geringverdienender Dad zu spüren bekommt, weiter gereicht. In Australien sind das nur 17%, in Kanada 19%.

Als der wichtigste Grund für soziale Immobilität wird in der Studie eindeutig das Schulsystem ausgemacht. Und hier scheint Amerika seine jungen Menschen im internationalen Vergleich eher nieder zu halten.

Einen Trost hält die Studie aus amerikanischer Sicht aber bereit: Das Land mit den größten Chancen, auf der sozialen Leiter aufzusteigen, ist Kanada:

Amerikaner müssen somit nur die Grenze zum Nachbarland überqueren.

Doch Vorbedingung ist ein schwieriges und schwerwiegendes Eingeständnis. Im Land der Siegertypen, wo es viele schlechte Verlierer gibt, ist das aber eine riesige Hürde.

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